Wie jedes Jahr fand auch dieses Jahr ein Gruppenleiterkurs im Herbst statt. Dieses Mal verschlug es Lisa, Merle und Jesko vom 04.10-11.10 in die Heimathütte kurz vor dem Kurort Hohegeiß im Harz.
Über die gesamte Woche verteilten sich um die 14 Einheiten, die uns auf unser Dasein als Gruppenleiter vorbereiteten. Dabei wurden unteranderem die Themen Konfliktlösung, Prävention sexueller Gewalt, Planung einer Gruppenstunde und Fahrt, Sozialisation und verschiedene Führungsstile bearbeitet. Zwischen den Einheiten gab es jedoch auch genug Zeit, sich untereinander kennenzulernen und verschiedene Spiele auszuprobieren.

Am Samstag ging es direkt nach dem Frühstück mit der allerersten Einheit los, in der wir gelernt haben, wie man die verschiedenen Familienhintergründe eines Gruppenkindes erkennt, versteht und damit individuell umgeht. Diese Einheit war sehr umfangreich und es gab viele verschiedene Fragen und so kam es, dass wir erst um 18 Uhr mit der Einheit fertig waren. Nach dem dringend benötigten Abendessen war dann aber natürlich noch keine Schlafenszeit. Jeden Abend gab es lange Singerunden, denen man sich anschließen konnte, oder man konnte sich in Gruppen zusammensetzen, sich unterhalten und Spiele spielen. Jeden Abend hat die gesamte Gruppe einen sogenannten ,,gemeinsamen Tagesabschluss´´ gestaltet, in dem wir manchmal den Tag reflektiert haben, oder manchmal wurde uns auch einfach nur eine Geschichte vorgelesen.

Auch ein zweitägiger Hajk mit Übernachtung im Freien war Bestandteil des Grundkurses. Zur Vorbereitung nutzten wir den gesamten Sonntag und beschäftigten uns mit den Themen 1.Hilfe, Kochen mit dem Trangia und mit ,,Was kann ich aus einer Kothenplane bauen?´´ Für den Hajk bekamen wir drei Koordinaten, die wir ablaufen mussten und ein Beweisfoto mit verschiedenen Gegenständen, die wir im Vorraus bekommen haben, machen sollten. Vor dem Hajk wurden wir dann 5-er in Gruppen eingeteilt, um auch andere Pfadfinder kennenzulernen, die wir vorher noch nicht kannten.

Am Montagmorgen ging es dann endlich los. Nach einem schnellen Frühstück und Zeit, um die letzten Dinge einzupacken, liefen wir dann gruppenweise los.

Merle

Ich war mit einem anderen Mädchen (Imken) und drei Jungs (Malte, Thore und Steven) in einer Gruppe. Mit dramatischer Musik wurden wir verabschiedet, sind mit Karte und Kompass in der Hand dann losgelaufen und die Stimmung war wirklich gut. Irgendwann, als wir bemerkt haben, dass wir neun Kilometer in die falsche Richtung gelaufen sind, ist sie jedoch relativ schnell an ihrem Tiefpunkt angelangt und es gab erste Diskussionen. Dazu kam noch, dass ein Junge aus der Gruppe extreme körperliche Beschwerden hatte, und wir seinen Rucksack tragen mussten. Wir hatten uns so verlaufen, dass wir auch auf der Karte nicht mehr erkennen konnten, wo wir waren und kamen dann zu dem Schluss, einen Teamer anzurufen, um zu fragen, was wir tun sollen. Er konnte uns dann glücklicherweise beschreiben, wo wir sind und uns den Weg nach Hohegeiß beschreiben. Als wir dann dort angekommen sind, haben wir uns mit den Teamern getroffen, die uns eine neue Route gegeben haben, weil es schon zu spät war, um die andere zu laufen. Außerdem haben sie dann den Rucksack von dem Jungen mit den Beschwerden mitgenommen und ihn uns am Zielort wiedergebracht. Unsere neue Route hat uns zum neuen Teich geführt, an dem wir dann auch unsere Schutzhütte für die Nacht gefunden haben. Die Hütte war sehr klein und eng und wir mussten alle sehr nah beieinander liegen, aber so wurde einem auch bei vier Grad Außentemperatur in der Nacht nicht kalt.

Am nächsten Morgen konnten wir ziemlich lange schlafen, weil wir nicht einen so langen Weg zurück hatten, und auch nicht vor 15 Uhr zurück sein sollten. Wir haben uns dann langsam aber zielstrebig auf den Weg gemacht, nach ein paar Kilometern wurden die Schmerzen des Jungen vom Vortag immer schlimmer, bis er überhaupt nicht mehr laufen konnte. Wir sind dann also bei einer Raststätte stehen geblieben und haben noch einmal die Teamer angerufen, damit sie den Jungen abholen kommen. Die Verständigung am Telefon war sehr schwierig, weil wir kein Netz hatten, und deswegen einer der Teamer dann anderthalb Stunden durch den Harz gefahren, um uns zu finden. Wir anderen drei sind voller Motivation weitergelaufen, weil wir noch einen Punkt auf unserer Liste ablaufen mussten (und wir haben uns auch nicht mehr verlaufen).

Um 17 Uhr sind wir dann wieder an der Heimathütte angekommen und die Freude wir riesig.  Im Haus gab es eine sogenannte ,,Wellnessoase´´ mit Schokofondue. Wir hatten alle viel zu erzählen und haben viel gelacht.

Lisa

Meine Wandergruppe bestand aus einem weiteren Mädchen Aileen und drei Jungs Janne, Linus und Matti. Unser Gepäck war schnell gepackt, sodass wir als erste Gruppe losmarschierten, unter dramatischer Musik und Taschentuchgewinke. Unser erster Punkt lag etwa 6 Kilometer weit entfernt und die Führung wurde mir noch zu Anfang eingeteilt. Schnell verlor ich diesen Posten jedoch wieder, durch das Führen in falsche Wanderwege. Nach einem kleinen Umweg gelangten wir wieder auf den richtigen Weg, unter Führung der Jungs. Während wir motiviert und singend eine Straße entlangliefen, hielt ein schwarzer Mercedes mitten auf der Straße neben uns. Heraus trat eine ältere Dame, die uns großzügig Bibeln aushändigte (Das eigentlich gelernte Verhalten, nichts von fremden Menschen, besonders in einem Auto, anzunehmen oder überhaupt mit ihnen zu reden, wurde in dieser Situation komplett verdrängt). So liefen wir weiter, mit einer Vorlesung nach der anderen aus der Bibel. Zwischendurch hielten wir auch noch an einem Supermarkt und füllten unseren Proviant auf.  Unsere Route führte an einer Talsperre, die Gleichzeitig ein Fotopunkt war, und ganz viel Wald vorbei. Relativ früh, gegen 16 Uhr, erreichten wir unsere Schutzhütte, die unter den Umständen wirklich „luxuriös“ war. So hatten wir eine richtige Hütte, die sogar ausgestattet mit Wasserkanistern, Spiritus und Toilettenpapier war, und einer großen Feuerstelle. Die Jungs entschieden sich dazu, nochmal in das etwa 6 Kilometer entfernte Benneckenstein zu laufen ,um Leckereien aus dem Supermarkt für den Abend zu holen. So sammelten wir in dieser Zeit Feuerholz und bereiteten die Schlafplätze vor. Den Abend ließen wir mit Schokofondue und Säften ausklingen.

Am nächsten Morgen machten wir uns bereits um 9 Uhr auf den Weg, um unseren letzten Punkt abzuhaken. Es regnete den ganzen Tag, wodurch wir trotz Regenjacken schnell durchnässt und die Wanderwege abenteuerlich matschig und glatt wurden. Das Ganze hatte jedoch keinen Einfluss auf unsere Laune und so zogen wir weiterhin gut gelaunt durch die Wälder, auf der Suche nach unserem Punkt. Dabei gingen wir einen großen Umweg, denn die Karte wurde durch den ganzen Regen ziemlich durchnässt und drohte bei jeder Bewegung auseinander zu fallen, sodass wir lieber ohne Karte versuchten an den Punkt zu gelangen. Nach dem letzten Foto machten wir uns so schnell wie wir konnten auf den Rückweg und kamen gegen 15 Uhr an der Heimathütte an.

Sofort tauschten wir uns über die Geschehnisse aus, versorgen unsre kleinen Wehwehchen und warteten gespannt auf die nachkommenden Gruppen.

 

Am Mittwoch ging dann das normale Programm weiter und es stand eine gruppenstärkende Aktion auf dem Plan: Klettern!

Nach dem Mittagessen haben wir uns alle mit zwei Leuten von den ,,erlebnistagen´´ getroffen, die uns dann zu einer kleinen Schlucht im Wald gebracht haben. Im Vorfeld wurden wir in Gruppen eingeteilt, und unter Anleitung haben wir dann unsere eigene Kletteranlage aufgebaut. Das hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.

Nach dem Abendessen gab es dann wieder eine lange Singerunde und den gemeinsamen Tagesabschluss.

Am Donnerstag war dann auch leider schon der letzte richtige Tag angebrochen. Den Tag über haben wir noch ein paar Dinge aus den Einheiten wiederholt und am Nachmittag haben wir unseren Abschlussabend in Kleingruppen erarbeitet. Wir haben uns verschiedene Spiele ausgedacht und Stockbrotteig vorbereitet und Stöcker gesammelt. Danach wurden dann auch schon die Gruppen für die ,,Abschlussprüfung´´ bekanntgegeben. Wir mussten ein Fallbeispiel ausarbeiten und die Ergebnisse unseren Teamern präsentieren.

Als wir dann aber in der Prüfung saßen, haben wir sehr schnell gemerkt, dass es keine richtige Prüfung war, und man gar nicht durchfallen konnte. Während der Prüfung haben die Teamer aber alle jeweils nochmal einen Führungsstil vertreten, was einen manchmal ziemlich verunsichert hat, aber es war halb so schlimm. Am Ende haben wir dann alle eine Art Urkunde bekommen. Währenddessen hat das Küchenteam hart gearbeitet und Flammkuchen für uns gemacht, damit wir direkt etwas essen konnten.

Als alle Gruppen fertig waren haben wir uns zusammen an das Lagerfeuer draußen gesetzt und ,,Bockraten´´ gespielt, bei dem wir Lieder aus dem Bock raten mussten und anfangen mussten zu singen. Irgendwann ging aber auch der letzte Abend zuende und wir sind alle müde umgefallen.

Am Freitag hieß es nurnoch : Packen und Putzen!

Nach dem Frühstück mussten wir unsere Rucksäcke packen und Zimmer aufräumen. Die Stimmung war einerseits sehr bedrückt, weil wir uns in dieser Woche alle so gut zusammengefunden haben, dass man am liebsten noch länger mit allen zusammen geblieben wäre, aber auf der anderen Seite haben sich auch alle auf Zuhause und ihr eigenes Bett und frische Anziehsachen gefreut.

Nach dem Abschiedskreis mussten wir uns von den tollen Teamern und auch schon von ein paar Teilnehmern verabschieden. Die meisten von uns sind jedoch zusammen zur Bushaltestelle gelaufen, weil wir alle in Richtung Hannover fahren mussten. In Hannover mussten wir uns dann aber von allen verabschieden, und wir sind alleine weitergefahren. Wir sind dann also zu dritt in den Metronom nach Göttingen gestiegen und so waren wir wieder dort, wo unsere kleine Reise eine Woche zuvor begonnen hatte: Im Fahrradabteil des Metronoms.

Fazit

Der Grundkurs war wirklich unglaublich toll, und jeder, der die Möglichkeit hat, sollte das auf jeden Fall machen. Wir haben so viele tolle Menschen kennengelernt, und konnten über uns hinauswachsen. Wir haben viel über das Gruppenleitersein und auch über uns selber gelernt und neue Seiten an uns entdeckt.